Karl-Friedrich-Gemeinde Karlsruhe

Taizé-Pro­gramm zur Voll­ver­samm­lung des ÖRK/WCC 2022

Anläss­lich der 11. Voll­ver­samm­lung des Öku­me­ni­schen Rates der Kir­chen / World Coun­cil of Church­es  (ÖRK / WCC), die in der ers­ten Sep­tem­ber­wo­che 2022 in Karls­ru­he statt­fand, haben wir zusam­men mit der Alt­ka­tho­li­schen Gemein­de ein umfang­rei­ches, inten­si­ves und schö­nes Taizé-bezo­ge­nes Pro­gramm auf die Bei­ne gestellt

Der Auf­takt: “Ein Jahr in Taizé”

Den Auf­takt zu unse­rem gro­ßen Pro­gramm mach­te am 2. Sep­tem­ber Janosch Alze, der ein Jahr lang als Frei­wil­li­ger in Taizé gelebt und gear­bei­tet hat und von sei­ner Zeit dort berich­te­te. Mit vie­len Bil­dern, Hin­ter­grund­in­fos und unter­halt­sa­men Erzäh­lun­gen gab er Ein­bli­cke in das Leben in Taizé, die man sonst nicht erhält — und das Publi­kum nutz­te aus­gie­big die Mög­lich­keit, ihm alle mög­li­chen Fra­gen zu stel­len. Fast reich­ten die ange­setz­ten zwei Stun­den nicht aus, so viel gab es zu erzäh­len und auszutauschen!

Die Andachten

Nach die­sem schö­nen Ein­stieg fand am sel­ben Abend dann die ers­te Andacht mit Gesän­gen aus Taizé statt. In der wun­der­schö­nen, von Ker­zen erleuch­te­ten alt­ka­tho­li­schen Kir­che war vor dem Altar das Taizé-Kreuz auf­ge­stellt, dar­um her­um Ker­zen und Blu­men. Vor den Kir­chen­bän­ken lagen gro­ße, dicke Tep­pi­che, und dar­auf stan­den eini­ge der typi­schen Knie­bänk­chen, die man aus Taizé kennt.
 
Schon lan­ge vor dem Beginn der Andachten war die Kir­che gut mit Besucher:innen gefüllt — und am Schluss waren die ca. 300 Plät­ze jedes­mal bis nach hin­ten belegt! Der mehr­stim­mi­ge Gesang ent­fal­te­te sich in der wun­der­ba­ren Akus­tik der Kir­che groß­ar­tig. Da wir weder einen sepa­ra­ten Chor noch Instru­men­tal­be­glei­tung hat­ten, hat­ten die vie­len Stim­men — und die sehr gekonn­ten und sou­ve­rän gesun­ge­nen Solo­stim­men — viel Raum. Zusam­men mit so vie­len Gäs­ten aus der gan­zen Welt hier bei uns die bekann­ten Gesänge aus Taizé zu sin­gen, das war eine fan­tas­ti­sche und ein­ma­li­ge Erfah­rung! Und dies an fünf auf­ein­an­der fol­gen­den Aben­den — ein wahn­sin­nig schö­nes Erle­ben und eine gro­ße Auf­ga­be. Die Andachten waren mehr­spra­chig gestal­tet, ange­lehnt an die Gebe­te in Taizé. Und in jeder Andacht gab es nach dem offi­zi­el­len Ende ein “open end”: alle, die woll­ten, blie­ben noch sit­zen und san­gen wei­ter, bis dann irgend­wann die Ker­zen lang­sam gelöscht wur­den; ein sehr stim­mungs­vol­ler Ausklang.

…mit Brü­dern aus Taizé

Ganz beson­ders freu­ten wir uns, dass Frè­re Alo­is, Pri­or der Com­mu­n­au­té de Taizé, und Frè­re Richard von Anfang an in den Abend­an­dach­ten dabei waren. Die Brü­der waren als Gäs­te tags­über beim Pro­gramm der Voll­ver­samm­lung und saßen dann abends mit uns auf den Tep­pi­chen vor der Iko­ne und bete­ten die Andacht mit uns. Und am 5. Sep­tem­ber kam dann noch Frè­re Han-Yol dazu!
 
 

Nacht der Lichter

Ein Höhe­punkt unter den Andachten war defi­ni­tiv die Nacht der Lich­ter am 4. Sep­tem­ber, zu der Frè­re Alo­is eine kur­ze Medi­ta­ti­on machen und wo es auch den bekann­ten Lich­tri­tus geben wür­de — das Wei­ter­ge­ben des Lich­tes an alle, von Ker­ze zu Ker­ze. Schon eine hal­be Stun­de vor Beginn war die Kir­che so gut besetzt, dass wei­te­re Besucher:innen nur noch auf zusätz­lich auf­ge­stell­ten Bän­ken Platz fan­den. Wer nicht zu sit­zen brauch­te, fand u.U. noch einen Steh­platz am Rand — und die vie­len wei­te­ren Gäs­te, die beim bes­ten Wil­len nicht mehr in die Kir­che pass­ten, blie­ben drau­ßen vor dem Por­tal ste­hen oder lie­ßen sich auf den Trep­pen­stu­fen nie­der. Bis auf die Stra­ße stan­den die Men­schen, und stimm­ten dann eben dort in den kraft­vol­len Gesang ein, der aus den offe­nen Kir­chen­tü­ren hin­aus klang. Was für ein Erleb­nis, was für eine Gemeinschaft!

Song Prac­ti­ce

Im Vor­feld der Nacht der Lich­ter fand am 4. Sep­tem­ber nach­mit­tags eine Song Prac­ti­ce in der Kir­che statt: Janosch Alze hat­te wäh­rend sei­ner Zeit in Taizé schon vie­le Male die Song Prac­ti­ce gelei­tet und tat dies ent­spre­chend sou­ve­rän auch bei uns! Mit einer Mischung aus (Heraus)Forderung und Enter­tain­ment ver­stand er es, das Bes­te aus den Stim­men der Sänger:innen her­aus­zu­ho­len, und gab vie­le hilf­rei­che Tips und Anregungen. 

Raum der Stil­le und Gesprächsangebot

Wäh­rend des Tages war die Kir­che ein offe­ner Raum der Stil­le; jede:r konn­te dort eine Zeit­lang ver­wei­len, vor der Taizé-Iko­ne oder bei den Iko­nen aus Mariu­pol. Und die bei­den Geist­li­chen unse­rer Gemein­den stan­den für Gesprä­che zur Verfügung.

Iko­nen aus Mariupol

Beglei­tend zum Taizé-Pro­gramm waren in der Kir­che für die Zeit des ÖRK Iko­nen aus Mariu­pol aus­ge­stellt: Aus den Deckeln von mili­tä­ri­schen Muni­ti­ons­kis­ten gestal­tet das ukrai­ni­sche Künst­ler­paar Sonia Atlan­to­va und Olex­an­der Kly­men­ko klas­si­sche Iko­nen. Die Hei­li­gen­bil­der, dezent ergänzt mit Motiv-Andeu­tun­gen der jetzt zer­stör­ten Stadt Mariu­pol, sei­en stum­me Zeu­gen des Krie­ges, die zu „Sym­bo­len für den Sieg des Lebens über den Tod“ werden.

Gro­ßer Ein­satz, Syn­er­gie­ef­fek­te und Dankbarkeit

Die­ses gewal­ti­ge und wun­der­schö­ne Pro­gramm war gewiss eine ein­zig­ar­ti­ge Erfah­rung und konn­te nur auf­grund des Ein­sat­zes vie­ler, vie­ler Men­schen so stattfinden. 
 
Wir sind unheim­lich dank­bar, dass so vie­le sich mit ihren indi­vi­du­el­len Gaben ein­ge­bracht haben — im Vor­feld mit Orga­ni­sa­ti­on, Wer­bung, Mate­ri­al­ko­or­di­na­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on; bei der Gestal­tung des Andachts­rau­mes; bei der Umset­zung der Andachten, inhalt­lich, stimm­lich und orga­ni­sa­to­risch; bei der Gestal­tung des Rah­men­pro­gramms, der Betreu­ung der Räu­me. Wir sind sehr glück­lich über die wun­der­ba­re öku­me­ni­sche Gemein­schaft mit der Alt­ka­tho­li­schen Gemein­de, über die freund­schaft­li­che Ver­bun­den­heit, die Unkom­pli­ziert­heit und die tol­le Zusam­men­ar­beit. Wir freu­ten uns sehr über den Besuch der Taizé-Brü­der und wie sie ganz selbst­ver­ständ­lich Teil der Andachten waren. Und wir freu­ten uns über die klei­nen Zufäl­le im Vor­feld, die man­ches erleich­tert haben und nicht unwe­sent­lich zum Gelin­gen des Gan­zen bei­getra­gen haben. Nicht zuletzt hat­ten wir auch unglaub­li­ches Glück, dass Coro­na uns kei­nen Strich durch die Rech­nung gemacht hat.
 
In den über 30 Jah­ren, die bei uns mitt­ler­wei­le Andachten mit Taizé-Bezug gefei­ert wer­den, war die­se Woche sicher­lich ein Höhe­punkt, der uns noch lan­ge beglei­ten und nach­klin­gen wird. Wir sind glück­lich und dank­bar, dass alles gelun­gen ist, teil­wei­se weit über unse­re Hoff­nun­gen und Erwar­tun­gen hin­aus. Segen ist überall.