Karl-Friedrich-Gemeinde Karlsruhe

Geschich­te

In unse­rer Kir­che, im hin­te­ren Kir­chen­schiff, fin­den sich meh­re­re Geschichts­ta­feln, die wir anläss­lich unse­res 300jährigen Jubi­lä­ums 2019 erstellt haben, und die die Geschich­te unse­rer Gemein­de erzäh­len (in Zusam­men­hang mit den zeit­glei­chen Gescheh­nis­sen in Mühl­burg und Karls­ru­he). Außer­dem hat 1999 unser dama­li­ger Pfar­rer Jür­gen Barth in sei­nem Heft “Mühl­bur­ger Minia­tu­ren” einen Geschichts­ab­riss verfasst:

Mulen­berc

Es war in jener Zeit, als der Rhein noch ein wil­der, unge­zü­gel­ter Fluss war und die Grau­rei­her über den sump­fi­gen Auwäl­dern ihre Bah­nen zogen.

Damals stand eine Burg am Hoch­ge­sta­de des Rhei­nes, dort, wo seit alten Tagen eine Römer­stra­ße die Alb über­quer­te. Die Mark­gra­fen von Baden hat­ten die­se Burg errich­tet, wahr­schein­lich um an die­ser Stel­le Zoll zu erhe­ben. Im Jah­re 1248 taucht für den Ort zum ers­ten Mal der Name “Mulen­berc” auf, und heu­te kann man nicht mehr fest­stel­len, was eigent­lich zuerst da war – die Burg oder die namen­ge­ben­de Müh­le. 1488 hat der Mark­graf eine Kaplanei in der dor­ti­gen Schloss­ka­pel­le ein­ge­rich­tet, und hier fan­den nun wohl die ers­ten Got­tes­diens­te in Mühl­burg statt. Um 1530 wur­de das Schloss stan­des­ge­mäß aus­ge­baut, in dem die Mark­gra­fen zeit­wei­lig residierten.

Frei­lich war Mühl­burg ledig­lich ein Burg­fle­cken – mit Zoll­haus, Müh­le und “Dubad­urn”, wahr­schein­lich der Tau­ben­turm, der die Schloss­kü­che mit Tau­ben­ei­ern und jun­gen Vögeln ver­sorg­te. Der Vogel­fän­ger hat sicher auch den bereits 1475 erwähn­ten “Enten­fang” betreut, eine Vor­rich­tung, in der Wild­enten gefan­gen wer­den konn­ten. Nach der Ein­füh­rung des evan­ge­li­schen Bekennt­nis­ses im Jah­re 1555 hat­te der luthe­ri­sche Pfar­rer von Knie­lin­gen in der Mühl­bur­ger Schloss­ka­pel­le alle vier­zehn Tage Predigtdienst. 

Die Zei­ten waren unru­hig. Im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg wur­de das Schloss 1622 niedergebrannt.

Unru­hi­ge Zeiten

Als end­lich Frie­de ein­kehr­te, wur­de das Schloss groß­zü­gig wie­der­auf­ge­baut. Der Mark­graf plan­te die Grün­dung einer Stadt, gewal­ti­ge Stra­ßen­plä­ne wur­den gezeich­net. Und der Mark­graf ver­sprach: “Wenn 40 bis 50 Haus­hal­tun­gen da sind, so wol­len wir bezüg­lich Kir­che, Rat‑, Kauf- und ande­re Stadt­häu­ser ein gnä­di­ges Gemüt ver­spü­ren lassen.”

Aber trotz groß­zü­gi­ger Zusi­che­rung von Gewer­be- und Reli­gi­ons­frei­heit woll­te das Gan­ze nicht recht flo­rie­ren. Und im Jah­re 1689 wur­de im Fran­zö­si­schen Erb­fol­ge­krieg auch das neu­erbau­te Schloss zer­stört. Dies­mal wur­de es nicht wie­der auf­ge­baut. Aus sei­nen Trüm­mern hat man 25 Jah­re spä­ter Tei­le des Karls­ru­her Schlos­ses errich­tet. Um ein Haar wäre Mühl­burg mög­li­cher­wei­se Haupt­stadt des spä­te­ren Groß­her­zog­tums Baden gewor­den, wer weiß…

Die weni­gen Mühl­bur­ger muss­ten nach der Zer­stö­rung des Schlos­ses 21 Jah­re lang nach Knie­lin­gen zur Kir­che wan­dern. Als die Gemein­de wuchs, rich­te­te der Knie­lin­ger Pfar­rer einen Got­tes­dienst ein, der alle 14 Tage in einem Mühl­bur­ger Gast­haus statt­fand, die es damals anschei­nend schon zahl­reich gab: in der “Blu­me”, im “Och­sen” und im “Hir­schen”.

Die ers­te Kir­che in Mühlburg

Seit 1713 dach­te der Knie­lin­ger Pfar­rer Johann Jakob Wechs­ler an den Bau einer eige­nen Kir­che in Mühl­burg. Schließ­lich wur­de 1719 ein “Kir­chen­haus” ein­ge­weiht. Es trug ein Türm­chen mit einer Glo­cke und war Kir­che, Schul- und Rat­haus zugleich. Pfar­rer und Schul­meis­ter wohn­ten eben­falls dar­in. Ein Jahr spä­ter wur­de Mühl­burg eine eigen­stän­di­ge Pfar­rei. Das Kir­chen­haus befand sich aber bald “in einem elen­den und bau­fäl­li­gen Zustand, die Schwel­len faul und das Türm­chen geneigt”, wie man in den alten Auf­zeich­nun­gen im Pfarr­amt lesen kann. Nun wohn­te glück­li­cher­wei­se der Bru­der des Mark­gra­fen, Prinz Wil­helm Lud­wig, in Mühl­burg. Er soll ein eif­ri­ger Kirch­gän­ger gewe­sen sein und setz­te sich bei sei­nem regie­ren­den Bru­der für den Bau einer rich­ti­gen Kir­che ein. Dar­auf ließ Mark­graf Karl-Fried­rich von Baden im Jah­re 1786 eine evan­ge­li­sche Kir­che bau­en. Der katho­li­sche Bevöl­ke­rungs­an­teil betrug damals unge­fähr ein Vier­tel. Bis zum Jah­re 1847 nahm der evan­ge­li­sche Pfar­rer auch für die Mühl­bur­ger Katho­li­ken Tau­fen und Beer­di­gun­gen vor.

Erwei­te­rung & Namensgebung

Länd­li­che Idyl­le – das war Mühl­burg um 1800, als hier unge­fähr 700 Ein­woh­ner leb­ten, Hand­wer­ker zumeist, weni­ge Bau­ern. Ab 1765 kamen all­mäh­lich Indus­trie­be­trie­be auf: eine Segel­tuch­fa­brik, die Krapp­fa­brik und eine Bier­braue­rei, spä­ter eine Eisen­gie­ße­rei und ande­re. Zu Weih­nach­ten 1886 konn­ten die katho­li­schen Chris­ten ihren ers­ten Got­tes­dienst in der neu­erbau­ten Kir­che St. Peter und Paul feiern.

Die evan­ge­li­sche Kir­che wur­de 1903 erwei­tert und heißt seit­her Karl-Friedrich-Gedächtniskirche.

Der schö­ne Innen­raum unse­rer Kir­che um 1903

1944

In der Bom­ben­nacht vom 4. Dezem­ber 1944 wur­den bei­de Mühl­bur­ger Kir­chen bis auf die Tür­me zer­stört. 1951 und 1955 wur­den sie wie­der aufgebaut.

300 Jah­re Karl-Friedrich-Gemeinde

Vie­le Ver­bin­dun­gen sind in Lauf der Jahr­zehn­te gewach­sen zwi­schen den Gemein­den. Zu unse­rem 300jährigen Jubi­lä­um haben wir die lan­ge und auf­re­gen­de Geschich­te unse­rer Kir­che in Form einer Aus­stel­lung mit alten Relik­ten aus unse­rer Gemein­de­ge­schich­te wie­der auf­le­ben las­sen. Die Info­ta­feln hän­gen noch immer und kön­nen in der täg­lich offe­nen Kir­che ange­schaut werden.