Geschichtliches

Aus dem Heft Mühlburger Miniaturen 1999 von Pfarrer Jürgen Barth:

Es war in jener Zeit, als der Rhein noch ein wilder, ungezügelter Fluss war und die Graureiher über den sumpfigen Auwäldern ihre Bahnen zogen. Damals stand eine Burg am Hochgestade des Rheines, dort, wo seit alten Tagen eine Römerstraße die Alb überquerte. Die Markgrafen von Baden hatten diese Burg errichtet, wahrscheinlich um an dieser Stelle Zoll zu erheben. Im Jahre 1248 taucht für den Ort zum ersten Mal der Name "Mulenberc" auf, und heute kann man nicht mehr feststellen, was eigentlich zuerst da war - die Burg oder die namengebende Mühle. 1488 hat der Markgraf eine Kaplanei in der dortigen Schlosskapelle eingerichtet, und hier fanden nun wohl die ersten Gottesdienste in Mühlburg statt. Um 1530 wurde das Schloss standesgemäß ausgebaut, in dem die Markgrafen zeitweilig residierten.

Freilich war Mühlburg lediglich ein Burgflecken - mit Zollhaus, Mühle und "Dubadurn", wahrscheinlich der Taubenturm, der die Schlossküche mit Taubeneiern und jungen Vögeln versorgte. Der Vogelfänger hat sicher auch den bereits 1475 erwähnten "Entenfang" betreut, eine Vorrichtung, in der Wildenten gefangen werden konnten. Nach der Einführung des evangelischen Bekenntnisses im Jahre 1555 hatte der lutherische Pfarrer von Knielingen in der Mühlburger Schlosskapelle alle vierzehn Tage Predigtdienst. Die Zeiten waren unruhig. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss 1622 niedergebrannt. Als endlich Friede einkehrte, wurde das Schloss großzügig wiederaufgebaut. Der Markgraf plante die Gründung einer Stadt, gewaltige Straßenpläne wurden gezeichnet. Und der Markgraf versprach: "Wenn 40 bis 50 Haushaltungen da sind, so wollen wir bezüglich Kirche, Rat-, Kauf- und andere Stadthäuser ein gnädiges Gemüt verspüren lassen."

Aber trotz großzügiger Zusicherung von Gewerbe- und Religionsfreiheit wollte das Ganze nicht recht florieren. Und im Jahre 1689 wurde im Französischen Erbfolgekrieg auch das neuerbaute Schloss zerstört. Diesmal wurde es nicht wieder aufgebaut. Aus seinen Trümmern hat man 25 Jahre später Teile des Karlsruher Schlosses errichtet. Um ein Haar wäre Mühlburg mög-licherweise Hauptstadt des späteren Großherzogtums Baden geworden, wer weiß... Die wenigen Mühlburger mussten nach der Zerstörung des Schlosses 21 Jahre lang nach Knielingen zur Kirche wandern. Als die Gemeinde wuchs, richtete der Knielinger Pfarrer einen Gottesdienst ein, der alle 14 Tage in einem Mühlburger Gasthaus stattfand, die es damals anscheinend schon zahlreich gab: in der "Blume", im "Ochsen" und im "Hirschen".

Seit 1713 dachte der Knielinger Pfarrer Johann Jakob Wechsler an den Bau einer eigenen Kirche in Mühlburg. Schließlich wurde 1719 ein "Kirchenhaus" eingeweiht. Es trug ein Türmchen mit einer Glocke und war Kirche, Schul- und Rathaus zugleich. Pfarrer und Schulmeister wohnten ebenfalls darin. Ein Jahr später wurde Mühlburg eine eigenständige Pfarrei. Das Kirchenhaus befand sich aber bald "in einem elenden und baufälligen Zustand, die Schwellen faul und das Türmchen geneigt", wie man in den alten Aufzeichnungen im Pfarramt lesen kann. Nun wohnte glücklicherweise der Bruder des Markgrafen, Prinz Wilhelm Ludwig, in Mühlburg. Er soll ein eifriger Kirchgänger gewesen sein und setzte sich bei seinem regierenden Bruder für den Bau einer richtigen Kirche ein. Darauf ließ Markgraf Karl-Friedrich von Baden im Jahre 1786 eine evangelische Kirche bauen. Der katholische Bevölkerungsanteil betrug damals ungefähr ein Viertel. Bis zum Jahre 1847 nahm der evangelische Pfarrer auch für die Mühlburger Katholiken Taufen und Beerdigungen vor.

Ländliche Idylle - das war Mühlburg um 1800, als hier ungefähr 700 Einwohner lebten, Handwerker zumeist, wenige Bauern. Ab 1765 kamen allmählich Industriebetriebe auf: eine Segeltuchfabrik, die Krappfabrik und eine Bierbrauerei, später eine Eisengießerei und andere. Zu Weihnachten 1886 konnten die katholischen Christen ihren ersten Gottesdienst in der neuerbauten Kirche St. Peter und Paul feiern.

Die evangelische Kirche wurde 1903 erweitert und heißt seither Karl-Friedrich-Gedächtniskirche.

In der Bombennacht vom 4. Dezember 1944 wurden beide Mühlburger Kirchen bis auf die Türme zerstört. 1951 und 1955 wurden sie wieder aufgebaut.

Viele Verbindungen sind mittlerweile zwischen den Gemeinden gewachsen: gemeinsam mit den Christen von Lukas und Markus-West treffen wir uns zur ökumenischen Bibelwoche, im September feiern wir den ökumenischen Zeltgottesdienst bei der Kerwe, der Ökumeneausschuss plant gemeindeübergreifende Projekte und lädt ein zu den "Mühlburger Gesprächen zur Zeit". Und dass die Pfarrer alle sechs Wochen gemeinsam frühstücken, ist längst eine schöne Tradition geworden.